Neandertal Menschenspuren Juli 2014

 

 

Herzlich Willkommen im Neandertal

 

Im Rahmen der EUROGA 2002plus wurde auch der Skulpturenpfad

"MenschenSpuren" im Neandertal realisiert.

Die Spuren der Künstler verbinden sich auf dem ca. 1.200 Meter

langen Rundweg an der Düssel in immer neuer Weise mit der Landschaft.

Viele der Arbeiten müssen regelrecht entdeckt werden oder

verändern ihren Zustand im jahreszeitlichen Auf und Ab.

Folgen Sie einfach den ockerfarbenen Steinen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Arbeit, die der Besucher am Anfang des Rundweges wahrnimmt, ist

THE MAN WHO NEVER CEASED TO GROW von Zadok Ben-David.

Eine Reihe von größer werdenden Neanderthaler-Silhouetten aus

Stahlplatten geschnitten scheinen hinter einander her zu schreiten.

Ben-David hat eine berühmte populärwissenschaftliche Zeichnung

des ausgestorbenen Neanderthalers aus einem Time-Life-Magazin

der 1930er Jahre als Vorlage verwendet und in Industriestahlplatten

geschnitten. Er hat ein ironisches und hintersinniges Bild des

Evolutionsgedankens geschaffen, das Entwicklung und Fortschritt

auf den Arm nimmt.

 

 

 

 

Volker Friedrich Marten hat am Zusammenfluß von Düssel und

Mettmanner Bach aus einer Eiche einen Wegweiser geschaffen.

Das fließende Wasser als Metapher für die verrinnende Zeit und

das Neandertal selbst verleihen dem Titel WOHER-WOHIN außer

der räumlichen eine zeitliche Dimension.

Der Mensch und die Fragen nach seinem Ursprung, Zustand und Schicksal

sind die allgegenwärtigen Themen des Tals.

Woher - Wohin, die Hüllen sind zwar in ihrem Richtungsstreit

gefangen, aber der Mensch kann sich, wenn er mag, selbst in den

ausgebrannten Stamm stellen und über seine Spuren und Wege nachsinnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einem von der Vegetation überwucherten, ehemaligen Steinbruch haben

Anne und Patrick Poirier ein Bild für das Gedächtnis der Welt geschaffen.

MEMORIA MUNDI nennen sie ihre Arbeit, die vor allem durch zwei

fremde Elemente, einen Pfeil und ein Gehirn, zu einem

metaphorischen Bild wird. Die Poiriers, die sich mit Orten des

kollektiven Gedächtnisses auseinander zu setzen, haben den

Steinbruch wie einen archäologischen Fundort zurückgelassen.

Das Bild soll an unsere kulturellen Wurzeln und ihre Bewahrung erinnern.

 

 

 

 

 

 

 

 

In einer Brennessel-Lichtung hinter der Steinzeitwerkstatt steht

auf einer Holzkiste die Arbeit von Magdalena Abakanowicz:

Die Skulptur eines Vierbeiners. Die Arbeit trägt den Titel MUTANT.

Es stellt weder dies, noch jenes Tier dar, es hat weder Augen noch Gesicht

noch Charakter. Die Künstlerin hat für einen entscheidenden Ort

der Menschheitsgeschichte und der Kulturgeschichte aus

Stahlblech die Metapher für ein Wesen geschaffen, das der

Mensch biologisch hervorbringen könnte.

Zwangsläufig wird damit dieses Bild zu einem Mahnbild.

Der menschliche Eingriff in die Evolution ist möglich und liegt vor uns.

 

 

 

 

Schon als Jugendlicher war Jaume Plensa vom Neanderthaler

und seiner Welt fasziniert, ohne zu wissen, dass es einen

Ort mit diesem Namen gibt.

In der Lichtung schräg gegenüber dem Mutanten steht nun sein

Fragezeichen aus Aluminium mit dem Titel SEELE?.

Plensa hat ein abstraktes Zeichen unseres schriftlichen

Kommunikationssystems als Skulptur realisiert und damit die

Dimension des Gesamtprojekts erweitert.

Die Frage nach der Seele ist für Plensa die Frage nach den

„letzten Dingen“, nach dem Wesen des Menschen.

Sie bleibt für ihn eine Frage ohne Erwartung einer Antwort.

 

 

 

 

 

Von Antony Gormley stammt die Arbeit BEING in der Düssel, 

die wahrscheinlich von manchem Besucher übersehen wird.

Gormleys Arbeit , eine Abformung seines eigenen Körpers in

Gusseisen, hat für das Leitmotiv der MenschenSpuren,

die Kunstwerke der Natur zu überlassen, emblematischen Charakter.

Er überlässt seine Arbeit auch der Zeit – einer Zeit außerhalb

menschlicher Maßstäbe. Mit etwas Glück entdeckt der heutige

Betrachter bei niedrigem Wasserstand oder klarem Wasser

die Skulptur, oder aber er hat nur das Wissen und die

Erinnerung an diese Skulptur.

 

 

 

 

Davon habe ich mich ausnahmsweise 

mal nicht abhalten lassen ;)

 

 

 

Wenn der Besucher auf der rechten Seite der Düssel in Richtung

Museum zurückkehrt, stößt er am Wegrand auf einen enormen Kalksteinblock,

der aus der Ferne wie ein natürlicher Stein anmutet.

Erst aus der Nähe erkennt man, dass der Block bearbeitet wurde.

Klaus Simon hat aus dem Kalkstein ein Dokument menschlicher

Bearbeitungsspuren geschaffen.

Geht der Besucher weiter, so wird er über die im Stein abgeformte

Bronzespirale laufen, die in den Weg eingelassen wurde.

Klaus Simon geht es in seiner zweiteiligen Arbeit CALX

um das Sichtbarmachen von Prozessen.

Das Zusammenwirken von Naturmaterialien und menschlicher

Technik ermöglichte die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung,

die im Neandertal so unübersehbare Spuren hinterlassen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Giuseppe Pennone hat das Projekt „MenschenSpuren“ beim Wort

genommen. Sein Beitrag NEANDERTAL-HECKE ist eine poetische

Reflexion über den Ort und sein Thema. Für den kleinen Steinbruch

an der Düssel hat Penone eine Hecke aus der hier natürlich

vorkommenden Hainbuche entworfen. Unter Verwendung von

Schablonen wird die Hecke in den nächsten Jahren im Wechsel von

Wachsen und Schneiden die Form erhalten, die Penone anstrebt.

Auf der Oberseite der Hecke werden „Trittspuren“ ausgespart

bleiben, die über die Hecke laufen und in einen höheren Busch

am Ende münden. In diesem höheren, buschiger wachsenden

Teil der Hecke wird das Negativ einer menschlichen Figur

so eingeschnitten, als sei sie in der Hecke verschwunden.

 

 

 

 

Die Bank am Wegrand über der ehemaligen Furt durch die Düssel

ist ein Werk von Ian Hamilton Finlay. Dieses kleine, bescheidene

Kunstwerk von Finlay kann als solches leicht übersehen werden.

In seiner BUGATTI BENCH ist der Vers eingemeißelt

„BARE STREAM RACING LIKE A BUGATTI“.

Der aufmerksame Betrachter wird vielleicht durch

die absurde Inschrift irritiert.

Mit seinen Arbeiten besetzt Finlay Orte mit Worten, die zumeist

auf schlichten Gegenständen eingemeißelt sind.

Dadurch erhalten die Orte eine poetische Aura, werden zu

einem Raumbild. Der Betrachter erhält von Finlay eine

literarische Gebrauchsanweisung für den Ort.

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto von dem Kunstwerk Habitat - das Korbgeflecht

Unerwartet taucht unter einer schützenden

Roßkastanie die Arbeit von Nils-Udo auf.

Ein großes Korbgeflecht hängt dort unter den

gebogenen Ästen. Flechtwerk und Kastanie sind

hier eine Symbiose eingegangen. HABITAT

nennt Nils-Udo das fünf Meter lange Werk.

Das Habitat ist die Behausung eines Wesens,

das nur im Neandertal noch einen idealen Baum

und Bedingungen zum Überleben vorgefunden hat.

Parallel zur Natur erfindet Nils-Udo Formen, die auf den ersten Blick wie

natürliche aussehen. Hinter sich verwischt er wieder die Spuren zwischen

Natur und Kultur.

 

 

Durch mehrfachen Vandalismus wurde das HABITAT irreparabel zerstört

und ist daher leider nicht mehr zu sehen. Bild: wikipedia.de

 

 

 

 

 

 

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